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Interviews

Die Psi-Protokolle
Mysteria: In Ihrem neuen Buch Die Psi-Protokolle sprechen Sie von einem Durchbruch in der Parapsychologie. Wie sieht dieser Durchbruch aus?

ERG: Die Psi-Forschung hat eine neue Qualität gewonnen. Durch konsequente Anwendung fortschrittlicher Analysemethoden - der so genannten Meta-Analyse - gelang es ihr, selbst hartnäckige Kritiker davon zu überzeugen, dass Psi kein Hirngespinst ist, sondern tatsächlich existiert. Die Anerkennung durch die Schulwissenschaften, die Pioniere wie J. B. Rhine und Hans Bender zeitlebens vergeblich angestrebt hatten, ist Wirklichkeit geworden. Grund für die positive Einschätzung sind vor allem die methodisch einwandfreien Ganzfeld-Experimente. Diese Entwicklung haben wir in erster Linie dem allzu jung verstorbenen Charles Honorton zu verdanken.
Mysteria: Was sind Ganzfeld-Experimente?

ERG: Ganzfeld-Versuche sind Experimente in einem leicht veränderten Bewusstseinszustand. Eine Versuchsperson hört über Kopfhörer leises Rauschen und blickt in ein einheitliches rosafarbenes visuelles Feld. Dieses wird durch halbierte Tischtennisbälle über den Augen und eine Rotlichtquelle erzeugt. Sehr rasch stellen sich durch monotone Sinnesreizung traumähnliche Bilder ein. In solchen Zuständen gelingen telepathische Übertragungen mit einer nie zuvor erreichten Genauigkeit.
Mysteria: Die Ganzfeld-Versuche decken aber nur einen Teil der Psi-Phänomene ab.

ERG: Durch Ganzfeld gibt es zum ersten Mal einen Test, durch den anomale Kognition - ein neuer Begriff für "außersinnliche Wahrnehmung" - wiederholbar nachgewiesen werden kann. Das Entscheidende ist die Wiederholbarkeit. Ganzfeld-Experimente wurden an zahlreichen Instituten in der ganzen Welt mit vergleichbaren Erfolgen durchgeführt. Psi hat dadurch den Makel des Nicht-Wiederholbaren verloren. Das gilt auch für eine Reihe von anderen anomalen mentalen Phänomenen. Meta-Analysen haben gezeigt, dass auch Präkognition und anomale Perturbation - ein neuer Begriff für Psychokinese - wiederholbare Effekte darstellen.
Mysteria: In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass Psi eine ständig und allgemein zugängliche Fähigkeit darstellt. Verfügt jeder Mensch über diese Fähigkeit?

ERG: Die umfangreichen Daten, die in den letzten Jahren zusammengetragen wurden zeigen, dass jeder Mensch über Psi verfügt. Es scheint, dass anomale Kognition durch eine Art Sinnessystem vermittelt wird oder zumindest im Gehirn in Strukturen verarbeitet wird, in denen auch gewöhnliche Sinneseindrücke verarbeitet werden. Allerdings verfügen nur wenige Menschen - etwa 1 % der Gesamtbevölkerung - über außergewöhnliche Psi-Fähigkeiten. Selbst durch intensive Übung werden die meisten Menschen nur leidlich gut Violine spielen können. Sehr wenige werden das Instrument wie Paganini beherrschen. Mit Psi verhält es sich ähnlich. Dennoch ist Psi ständig in uns anwesend. Experimente der PEAR-Gruppe um Robert Jahn und Brenda Dunne an der Universität Princeton haben unter Beweis gestellt, dass menschliche Intentionen den Output von Zufallsgeneratoren beeinflussen. Mit anderen Worten: Unsere Absichten greifen auf der mikrophysikalischen Ebene direkt auf die physische Umwelt ein. Bewusstsein und Materie stehen in einem ständigen direkten Informationsaustausch miteinander. Offenbar durchzieht dieses System, das ich die "fundamentale Psi-Funktion" (FPF) nenne, alle Spezies von Lebewesen und zählt zu einem grundlegenden Kommunikationssystem des Lebens.
Mysteria: Wenn Psi eine allgemein verfügbare Fähigkeit ist, kann man sie trainieren?

ERG: Nur bedingt. Eigentlich können Psi-Fähigkeiten nicht trainiert werden. Jene, die über außergewöhnliche Psi-Begabungen verfügen, können ihre Fähigkeiten durch Psi-Training nicht steigern, jene die gewöhnlich begabt sind, werden durch Training nicht zu Psi-Stars. Allerdings kann man durch geeignete Übungen und durch Psi-Experimente lernen, paranormale Eindrücke von anderen bis zu einem gewissen Grad zu unterscheiden und auf diese Weise das natürliche, unbewusste, autonome Psi-System der fundamentalen Psi-Funktion bewusst zu nutzen. Auf meiner CD-ROM Enigma finden sich interaktive Psi-Experimente, durch die ein optimaler Zugang zum eigenen Psi-Potenzial eingeübt werden kann.
Mysteria: Welche Konsequenzen haben diese neuen Erkenntnisse?

ERG: Die Konsequenzen sind ausgesprochen vielschichtig. Auf der einen Seite steht das große und umstrittene Feld des paranormalen Heilens. Wenn Intentionen direkte Effekte auf materielle Systeme ausüben, dann sollte das Bewusstsein in der Lage sein, ebenso auf körperliche Prozesse einer anderen Person Einfluss nehmen zu können. Eine Anzahl von Experimenten konnte diesen Effekt, der "direkte mentale Beeinflussung lebender Systeme" oder DMILS genannt wird, nachweisen. Eine andere Folge der neuen Erkenntnisse lässt sogar die Hoffnung entstehen, dass Psi technisch eingesetzt werden kann. Es hat sich beispielsweise in den Versuchen der PEAR-Gruppe gezeigt, dass die Effekte von Intentionen auf die Datenauswürfe von Zufallsgeneratoren individuelle Merkmale erkennen lassen, so genannte "Signaturen". Offenbar weisen die Interaktionen von Bewusstsein und Materie spezifische Eigenarten auf, die konstant sind und anhand derer man die Urheber ermitteln kann. Ein Gerät, das auf die Struktur des Bewusstseins einer Person reagiert, ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits im Stadium der Erprobung.
Mysteria: Sind Psi-Effekte nicht viel zu schwach um wirklich technisch nutzbar zu sein?

ERG: Eine brandneue Entdeckung lässt uns hoffen, dass wir in Zukunft mit viel stärkeren und verlässlicheren Psi-Effekten in den Labors rechnen können. In einem amerikanischen Institut wurde zum ersten Mal eine physikalische Variable entdeckt, die mit der Qualität von anomaler Kognition korreliert. Wenn diese physikalische Einflussgröße gegeben ist, erhöht sich die Leistung in Psi-Tests um sage und schreibe 400 %! Ein außerordentliches Ergebnis, das in der Gemeinschaft der Parapsychologen für großen Wirbel sorgt und der bedeutendste Durchbruch in der 100-jährigen Geschichte der Psi-Forschung sein kann. Worum es sich bei dieser Einflussgröße handelt, beschreibe ich detailliert in meinem Buch "Die Psi-Protokolle".
Mysteria: Die erwähnten Fortschritte wurden vor allem in den USA erzielt, gibt es auch anderswo aktive Psi-Forschung?

ERG: Auch in Europa werden wichtige Fortschritte erzielt, am Koestler-Lehrstuhl der Universität Edinburgh etwa, an der Universität Amsterdam, und in Deutschland an den Universitäten in Freiburg und Giessen. Aber wichtige, in Zukunft vielleicht entscheidende Impulse kommen aus dem fernen Osten, aus China und Japan. Dort hat man die Parapsychologie eigentlich erst in den letzten 15 Jahren entdeckt. Sie wird unter dem Oberbegriff Qi Gong-Forschung betrieben. Auf der Suche nach subtilen Energien werden Psi-Phänomene als außergewöhnliche Fähigkeiten des menschlichen Körpers betrachtet. In China hat sich die Erforschung dieses Bereichs zu einer breit angelegten Fachrichtung mit zahlreichen Forschern und Institutionen ausgeweitet. In Japan werden mit einem eindrucksvollen Aufgebot an Hightech-Geräten die physiologischen Begleiterscheinungen von Psi untersucht. Das Bio-Emissionslabor in Chiba hat auf diesem Gebiet zahlreiche sehr aufschlussreiche Experimente durchgeführt.
Mysteria: Ein umfangreicher Abschnitt Ihres Buches beschäftigt sich mit dem Einsatz von Psi zu Spionagezwecken. Wurde dieses Geheimprojekt des US-Verteidigungsministeriums nach 23 Jahren wegen Erfolglosigkeit aufgegeben?

ERG: Wäre es erfolglos gewesen, hätten es die Geheimdienste schon nach wenigen Jahren aufgegeben. Im Zuge des Projekts wurden zahlreiche außerordentliche Erfolge verbucht. "Psi-Spione" waren in der Lage, ihnen unbekannte Örtlichkeiten und Einrichtungen bisweilen mit erstaunlicher Präzision zu schildern. Aufgegeben wurde das Programm, als sich herausstellte, dass Psi nicht zu einem fehlerfreien Instrument der Informationsbeschaffung gemacht werden konnte. Auch die besten "Remote Viewer" wie Ingo Swann, Pat Price oder Joe McMoneagle mussten Fehlschläge verkraften. Spionage ist aber auf Präzision angewiesen. Obwohl Psi-Informationen vermittelt wurden, die weit jenseits der Zufallserwartung lagen, war das Fehlen der letzten Sicherheit ausschlaggebend dafür, dass die Geheimprojekte gestoppt wurden.
Mysteria: Welche Ergebnisse haben die Geheimforschungen erbracht?

ERG: Sie haben zu zahlreichen Neuerungen und Einsichten geführt, die sich in neuen methodischen Ansätzen und in einem vertieften Verständnis des Psi-Prozesses niederschlagen. Ich diskutiere diese Ergebnisse und die Entwicklung des Remote-Viewing-Prozesses in meinem Buch eingehend.
Mysteria: Warum unterliegen viele Protokolle nach wie vor der Geheimhaltung?

ERG: Viele Remote-Viewing-Sitzungen zur Überprüfung der Fähigkeiten bezogen sich nicht auf Ziele in fremden Ländern, sondern auf sensitive Einrichtungen in den USA - Einrichtungen, die der Bevölkerung nicht bekannt sind. Die USA können kein Interesse daran haben, dass diese Installationen durch Veröffentlichungen weithin bekannt werden. Zum anderen möchten die Verantwortlichen sicherlich vermeiden, dass sich herumspricht, in welchen Krisensituationen die Militärs auf die Hilfe von "Psi-Spionen" zurückgegriffen haben, als die herkömmliche Agententätigkeit keinen Erfolg gebracht hatte.
Mysteria: Gab es solche Programme nur in den USA, oder haben auch andere Geheimdienste mit dem Einsatz von Psi geliebäugelt?

ERG: Vom BND ist nicht bekannt, dass er sich mit Psi auseinander gesetzt hat. Ganz anders hingegen der KGB, der über Jahrzehnte eine finanziell sehr gut ausgestattete geheime Psi-Forschung in der ehemaligen Sowjetunion kontrollierte. Viele Berichte und Bücher über eine angebliche "Psi-Waffe" der Sowjets haben sich jetzt allerdings als Übertreibungen herausgestellt. Die Sowjets waren auch zu keinem Zeitpunkt dem Westen in der Anwendung von Psi überlegen. Sie haben allerdings auf dem Gebiet der Fernbeeinflussung viele interessante Erkenntnisse gewonnen, die sich jetzt, nach dem Ende des kalten Krieges für die Erforschung des Phänomens des Heilens als wertvoll erweisen können. Inwieweit China an den Einsatz von Psi bei der Agententätigkeit gedacht hat, ist weitgehend ein Feld der Spekulation. In meinem Buch stelle ich eine Vielzahl von eindrucksvollen, bislang völlig unbekannten Untersuchungen aus russischen und chinesischen Labors dar.
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